Waldorfpädagogik -  Im Mittelpunkt der Mensch  
Aktionswoche der freien Waldorfschulen

LandesArbeitsGemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Bayern e.V.
– Regionale Veranstaltungen in Bayern


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Waldorf-One-World Day

Geschichte
Ablauf
Zahlen
Aktionswoche 2004
Projekte
- Kindergärten in Südafrika
- Kindergarten in Namibia
- Schule Zenzeleni
- Kinderpatenschaften
- Schule in Khanyisa

Geschichte

Die Idee des WOW-Day wurde 1994 auf einer Konferenz der europäischen Waldorfschulen - genauer des ECSWS (European Council of Steiner Waldorf Schools) - geboren. Die norwegische Waldorflehrerin Astrid Bjönnes hatte schon lange über die Tradition des "Operasjon Dagswerk" nachgedacht - die Schüler aller norwegischen Oberschulen erarbeiten an einem Tag im Jahr Geld für wohltätige Zwecke. Auf der Konferenz des ECSWS berichtete sie über diese Tradition mit dem Wunsch, die europäischen Waldorfschulen könnten gemeinsam etwas ähnliches tun. - Ihre Kollegen waren begeistert, und ehe sie es noch richtig verstand, bekam sie die Aufgabe, diese Aktion zu organisieren.

Sofort überlegte man, für welche Projekte Geld gesammelt werden sollte. Nana Göbel von den Freunden der Erziehungskunst schlug die Waldorfschule in Santiago de Chile vor, die damals gerade dringend Unterstützung brauchte. Helmut von Loebell, Lehrer an der Waldorfschule Salzburg und sein halbes Leben als Geschäftsmann in Kolumbien, schlug das Projekt Extra Muros in Bogota vor, das er selbst einmal gestartet hatte (außerdem hatte er lange vorher das erste kolumbianische SOS-Kinderdorf gegründet).

Um den Kontakt zu den Projekten kümmert sich eine Arbeitsgruppe, die sich auch regelmäßig im Rahmen der ECSWE-Konferenzen trifft. Astrid Bjönnes bereitet jährlich Briefe an die Schulen vor, die die aktuellen Projekte vorstellen.

Ablauf

Die Schulen, die einen WOW-Day veranstalten wollen, überlegen sich individuell einen Termin und an diesem Tag machen die Klassen, Gruppen von Schülerinnen und Schülern oder einzelne Kinder Aktionen, mit denen sie Geld für die WOW-Day-Projekte sammeln und die selbstverständlich vorher überlegt, geplant und vorbereitet wurden. Da geht eine Gruppe von Schülern auf den Marktplatz und bieten Waffeln an, da gehen einzelne Schüler in Betriebe, da lädt eine Klasse zum Theater in der Fußgängerzone oder das Schulorchester zum Benefiz-Konzert in die Schule, und und und - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Die gesammelten Spenden können dann an die Freunde der Erziehungskunst in Berlin überwiesen werden. Aus Berlin erhält Astrid Bjönnes regelmäßig eine Übersicht der gesammelten Spenden (die zu 100% an die Projekte weitergeleitet werden) und bedankt sich bei allen beteiligten Schulen. Die WOW-Day-Arbeitsgruppe hält den Kontakt zu den Projekten und entscheidet über die Aufnahme neuer Projekte für den WOW-Day.

Zahlen

Im ersten Jahr beteiligten sich 20 Schulen am WOW-Day, heute sind es jährlich etwa doppelt so viele. Im Schuljahr 2001/2002 wurde die Marke von 40 Waldorfschulen europaweit erreicht - darunter 13 deutsche, 10 schwedische, 5 norwegische und 4 englische. 2003 erreichte uns erstmals sogar eine kleine WOW-Day-Spende einer Waldorfschule aus den USA.

Inzwischen kommt durch diese Aktion engagierter Waldorfschüler und -lehrer jährlich ein Betrag von knapp 60.000 Euro zusammen!

Die bisherige Erfolgsbilanz (umgerechnet auf Euro):

Jahr Summe (beteiligte Schulen / davon deutsche)
1994 24.909 € (20 / 9)
1995 36.994 € (38 / 9)
1996 28.336 € (27 / 7)
1997 38.169 € (26 / 7)
1998 33.251 € (17 / 7)
1999 46.416 € (33 / 8)
2000 61.167 € (37 / 14)
2001 59.360 € (39 / 13)
2002 60.557 € (33 / 13)
2003 62.239 € (32 / 13)
Summe 451.398 € (120 / 42)

Die größte "Erfahrung" mit dem WOW-Day haben in Deutschland die Waldorfschulen in Überlingen, Filderstadt, Siegen, Bexbach und Saarbrücken.

Aktionswoche 2004

Die Aktionswoche der deutschen Waldorfschulen im Sept./Okt. 2004 geben dem WOW Day einen besonderen Schub: Die Hoffnung ist, dass sich in diesem Jahr weit mehr Schulen an der Aktion beteiligen. Die Ergebnisse der einzelnen Schulen werden an der Abschlussveranstaltung am 2. Oktober 2004 in Stuttgart auf der Großbühne gesammelt und an 3 Projekt in Afrika übergeben.  

Projekte für die Aktionswoche "Waldorf 2004" im Detail

1. Kindergärten in den Townships von Kapstadt und Windhoek

Das 1993 gegründete Centre for Creative Education in Kapstadt ist heute die einzige unabhängige Lehrerausbildungsstätte in ganz Südafrika - unter anderem für die Lehrer der südafrikanischen Waldorfschulen.

Im letzten Herbst hat es eine wichtige staatliche Anerkennung erhalten: Die Kurse dürfen bis zum "Bachelor of Education" fortgeführt werden. Dies ist inzwischen auch die offizielle Voraussetzung für jeden neu eingestellten Lehrer in Südafrika. Die Absolventen des Centre for Creative Education dürfen damit an allen südafrikanischen Schulen unterrichten - ein Ziel, das vom Centre seit vielen Jahren angestrebt worden war.

Die Lehrerbildung ist jedoch nicht die einzige Aufgabe von Ann Sharfman und ihren Kollegen: Mit unermüdlichem Enthusiasmus bilden sie auch Frauen aus den Townships für ihre Pionierarbeit in einfachsten "Educare Centres" aus, in denen sie Kinder im Alter von wenigen Monaten bis sechs Jahren betreuen.

Schwierigste Umstände …

In den Townships rund um Kapstadt herrscht unveränderte Armut, und doch ist der Zustrom von Menschen aus ländlichen Gebieten ungebremst. Im Umkreis der Stadt erhoffen sich viele Menschen Arbeit und Zukunftsaussichten, die auf dem Land immer weniger gegeben sind.

Für die Kinder ist der Ortswechsel kein Trost: Gerade in den Townships müssen die Eltern ihre Kinder den ganzen Tag allein lassen, um irgendwie zu Geld zu kommen und für ihre Kinder abends etwas zu essen zu haben. Also müssen schon teilweise schon Babys zuhause eingesperrt werden, bis die Mutter wiederkommt. Oder die Kinder bringen den ganzen Tag auf der Straße zu - und viele verwahrlosen in einer oft kriminellen Umgebung.

Auch für viele Eltern ist ihre Lebenssituation nicht zu ertragen: Väter lassen ihre Familie im Stich, Mütter flüchten in den Alkohol. Die Aids-Problematik tut ihr übriges, und so hält das Schicksal für die Familien in den Townships selten glückliche Momente bereit.

Die Waldorf Educare Centres sind für viele Kinder der einzige Lichtblick inmitten einer trostlosen Umgebung. Hier werden sie von engagierten Frauen liebevoll betreut und erleben das Gefühl, in dieser Welt willkommen zu sein - trotz der ungeheuren Probleme um sie herum.

Seitdem diese Arbeit 1994 begann, ging die Entwicklung der Educare Centres für die kleinen Kinder stetig voran. Peter van Alphen, der die Ausbildungen des Centre for Creative Education mit aufgebaut hat, schätzt, daß in den letzten 10 Jahren etwa 4500 Kinder ein Educare Centre besuchen konnten. Diese Kinder durften Erfahrungen machen, die ihnen niemand nehmen kann und die ihnen auch für die Zukunft viele Kräfte schenken.

Die "Educare Centre" sind natürlich keine perfekten, wunderschönen Kindergärten, wie es sie etwa in Deutschland gibt. Sie liegen in den Townships und entsprechen den Möglichkeiten, die dort vorhanden sind. Es sind einfachste Räumlichkeiten, entstanden aus Holz, Eisen oder anderem Material, das gerade verfügbar war.

… und mutige Frauen …

Die Erzieherinnen sind engagierte Frauen, die selber aus der Township kommen. Nach ihrer Fortbildung sind sie unmittelbar für 50, 60, manchmal über 100 Kinder verantwortlich - manche dieser Kinder sind dabei erst wenige Monate alt. Diese Frauen ermöglichen es den Eltern der Kinder, arbeiten zu gehen oder Arbeit zu suchen, während sie selbst sich um die kleinen Kinder kümmern, mit ihnen spielen, singen und vieles andere.

Immer bedeutet den werdenden Erzieherinnen ihre Ausbildung und die künftige Aufgabe auch persönlich unendlich viel. Als Ann Sharfman und ihre Kollegin bei einem Morgenkreis einmal Komplimente verteilten, weil die Frauen sich so anmutig und leichtfüßig bewegten, war ihre Antwort: "Wir sind leicht, wir fliegen, weil wir glücklich sind! Dieser Kurs bedeutet so viel für uns." - Alle Menschen in den Townships sehnen sich nach Arbeit, die sie tun können. Was aber kann glücklicher machen, als eine Arbeit mit Kindern, die so unendlich sinnvoll ist?

Derzeit machen 107 Frauen die Ausbildung für ihre spätere Arbeit in einem, in "ihrem" Educare Centre. Früher fand auch die Ausbildung direkt in einer Township statt. Um der zentraleren Lage willen und wegen der hohen Kriminalität in den Townships wurden die Kurse aber schließlich nach Mannenberg verlegt - ein Bezirk, der für alle Frauen von den verschiedenen Townships aus gut erreichbar ist. Kürzlich begann auch ein zweites Trainingscenter seine Arbeit - wiederum in einer Township (Kayamandi) bei Stellenbosch, 60km von Kapstadt entfernt.

…, die sich zusammentun

Im letzten Jahr gründeten zwölf Frauen, die ihre Teilzeitausbildung beendet hatten, eine Art Netzwerk. Sie waren so inspiriert von dem, was sie in den Kursen aufgenommen hatten, daß sie ihren Lernprozeß fortsetzen wollten, um sich als Waldorferzieherinnen noch besser um ihre Schützlinge kümmern zu können. Ihre Partnerschaft nennen sie "Isiseko Sobuntu" (Gründung der Menschlichkeit). Sie besuchen sich gegenseitig, hospitieren im Educare Centre der anderen und unterstützen und beraten einander, wo sie können. Natürlich schicken sie auch ihre Helferinnen regelmäßig zu den Fortbildungskursen.

Die zwölf Frauen von Isiseko Sobuntu sind allein schon für fast 900 Kinder in ihren Town­ships (Khayelitsha, Philippi u.a.) verantwortlich. Da ist z.B. Maraldea, die im "Strawberry Play Centre" 120 Kinder betreut; da sind Angelina, Noxolile und Nomathoza, die sich in ihrem Educare Centre "Nontsebenziswano" in der Township Philippi um 250 Kinder kümmern; und da sind Nomvula, Nomakhaya, Virginia, Maurine, Noma-India, Khunjuzwa, Nomakhaya und Elsie, die für acht weitere Einrichtungen in Khayelitsha, Delft South und Old Crossroads verantwortlich sind.

Mit bewunderswertem Mut und Entschlossenheit gehen sowohl diese zwölf Frauen als auch die anderen ausgebildeten Erzieherinnen ihre große Aufgabe an. Für diese Arbeit zum Wohle der in den Townships lebenden kleinen Kinder braucht es viel Hilfe und Unterstützung. Die meisten Educare Centres haben keine Stühle, Tische oder Fenster. Als die Frauen von "Isiseko Sobuntu" mit Hilfe von Spenden einige Nähmaschinen erwerben konnten, fertigten sie Vorhänge für ihre Educare Centres an, die nun in zarter Schönheit strahlen. Für die Kinder ist so ein Augenblick schon ein Fest!

Es ist eine lange Reise, die diese Frauen angetreten haben. Aber mit unglaublicher Kraft arbeiten sie an der Verwandlung der schwierigen Umstände, unter denen sie leben - um der Kinder willen, die sich in ihrer Obhut befinden.

Ein Township-Kindergarten in Namibia

Vor einer ganz ähnlichen Situation steht der Kindergarten Soutere ("Beschütze mich") in der Township Katatura, die in unmittelbarer Nachbarschaft von Namibias Hauptstadt Windhoek liegt. Auch hier erhoffen sich die Menschen in der Stadt mehr Überlebenssicherheit, und die Township wächst Monat für Monat. Wo die Steinhäuser aufhören, beginnt Wellblech, wo Wellblech fehlt, folgen Stangen und Plastikfolien... Und überall das traurige Gesicht der Armut: Kriminalität, Alkohol, Aids. Fast jede dritte schwangere Frau etwa ist HIV-positiv, die Beerdigungen sind wesentlicher Bestandteil des Alltags geworden.

Namibia ist erst seit 1990 unabhängig (bis dahin war es Mandatsgebiet von Südafrika). Es ist fast dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur 1,6 Millionen Einwohner. Es gibt etwa zwölf Volksgruppen, darunter Herero, Nama, Ovambo, Damara und Weiße. Die meisten Menschen leben auf Farmen von Viehzucht. 1992 gründeten Mitglieder der Christengemeinschaft einen ersten Waldorfkindergarten in Windhoek, im Jahr 2000 öffnete dann ein zweiter Kindergarten seine Tore - in der Township Katatura.

Der ältere Kindergarten wird von der in Namibia geborenen Corinna Schauenburg geleitet, die in Kassel ihre Ausbildung zur Waldorferzieherin machte. Dieser Kindergarten wird vorwiegend von weißen Kindern besucht, aber auch von schwarzen Waisenkindern, deren Eltern an Aids gestorben sind. Der Soutere-Kindergarten in Katatura wird von rund 40 schwarzen Kindern der Township besucht. Als Beitrag zu den laufenden Kosten werden hier nur vier Euro erhoben, doch die Hälfte der Familien kann selbst diese nicht aufbringen. Viele Mütter sind alleinerziehend, manche sind Alkoholikerinnen.

Einfaches Wellblech - aber viel Freude

Der Kindergarten "Soutere" besteht aus einer Wellblechhütte - diese aber hat immerhin (was ziemlich unüblich ist) zwei Fenster und ist mit einem großen, farbenfrohen Bild geschmückt. Die beiden Erzieherinnen Franziska und ihre Tochter Elisabeth kümmern sich liebevoll um die Kinder. Beide wohnen auch selbst mit ihren eigenen Familien noch immer in der Wellblechhütte - in einem Nebenraum. Trotz allem hat dies für den Kindergarten auch ein Gutes: Auf diese Weise ist "Soutere" auch nachts bewacht, was bei der hohen Kriminalität, die die Not in der Township mit sich bringt, leider wichtig ist.

Der Kindergarten "Soutere" gibt trotz und inmitten des traurigen Alltags den rund 40 Familien tägliche Zuversicht. Kaum jemals waren die Kinder so glücklich wie jetzt im Kindergarten. Und oft strahlt dieses Glück sogar in die Umgebung aus. Wenn die Kinder zum Beispiel beim Johannifest singend durch die Straßen ziehen, bleiben überall die Menschen stehen und stimmen tanzend mit ein. Die Kinder selbst singen noch Wochen später voll Freude die Laternenlieder in vielen verschiedenen Sprachen, die sie kennengelernt haben.

Viele weitere Familien wollen ihre Kinder anmelden, doch aus Platzmangel müssen sie im Moment abgewiesen werden. Seit längerem ist geplant, von der Stadt ein Grundstück zu erwerben, damit in Zukunft für mehr Kinder gesorgt werden kann. Während Franziska für die Kinder Seile, Bälle und Tiere herstellt, malt sie sich diese Zukunft aus und hofft, daß sie bald Wirklichkeit werden wird.

2. Waldorfschule Zenzeleni in der Township Khayelitsha

In der südöstlich von Kapstadt gelegenen Township Khayelitsha leben ca. eine Million Menschen - die genaue Zahl weiß niemand, und täglich kommen neue Bewohner hinzu. Mittendrin befindet sich die Zenzeleni Waldorfschule. Der Name kommt aus der Xhosa-Sprache und bedeutet etwa "selbst(verantwortlich) handeln". Seit fünf Jahren zeigt diese Schule, wie Pädagogik auch in Townships und mit geringem Budget effektiv und freudevoll sein kann.

Das "Centre for Creative Education", das für die Waldorf-Ausbildung in Südafrika verantwortlich ist, gab seit 1994 in Khayelitsha Vorschulkurse. Als 1998 mehrere Eltern nach einer Waldorfschule fragten, eröffnete ein Jahr später die Zenzeleni Waldorfschule mit 16 Kindern. Jährlich kam dann eine neue Klasse hinzu. Zunächst wurden Räume eines Daycare-Centres genutzt, dann baute man Mitte 2001 auf einem "eigenen" Gelände die ersten Klassenräume. - Heute hat die Schule sechs Klassen und über 150 Kinder. Nach einer langen Verzögerung erhielt sie erst Anfang dieses Jahres die offizielle Registrierung seitens der Behörden.

Eltern und Besucher drücken regelmäßig ihre Bewunderung für den Enthusiasmus und die Liebe der Zenzeleni-Lehrer aus, und die Schule findet immer mehr Aufmerksamkeit. Für viele Menschen, die vom Township-Alltag geprägt sind, ist es sogar schon ein neues Erlebnis, daß Erziehung ohne Schläge möglich ist!

Willem van der Velden, einer der Lehrer, berichtet: "Immer wieder kommen auch Kinder, die an anderen Schulen Lernschwierigkeiten hatten, und meist werden sie sehr schnell von verschlossenen zu fröhlichen, spontanen Kindern, die stolz auf ihre Fortschritte sind. Die Kinder arbeiten zumeist selbständig und helfen einander. Und das Wichtigste: Sie genießen den Schultag." - All das macht die Schule immer bekannter und anziehend für viele Eltern, die schon lange auf der Suche nach alternativen Erziehungs-Konzepten sind oder waren.

Viele Kinder - wie Thembelani aus der 4. Klasse - haben nur noch ihre Mutter, weil der Vater die Familie im Stich gelassen hat. Manche Kinder haben gar keine Eltern mehr. Sie kommen aus dem "Waisenhaus" von Rosie Mashale, die sich auf eigene Faust um rund 50 Babys und Kinder kümmert, die sie von der Straße holte oder die ihr die Polizei brachte.

Das Problem der Finanzierung - und des Erfolges

Das "Centre for Creative Education", das nach wie vor Träger der Schule ist, hat den offiziellen Schulbeitrag mit umgerechnet ca. 12 Euro monatlich bewußt niedrig festgesetzt, obwohl die realen Kosten pro Kind bei etwa 30 Euro liegen. Auch mit dem offiziellen Schulgeld wäre bei vollen Klassen das Gehalt der Lehrer gedeckt (wobei die rund 4000 Rand viel weniger sind, als Kollegen an staatlichen Schulen erhalten).

Eltern aus der "Mittelklasse", die eine Arbeit haben, können den offiziellen Beitrag bezahlen. Doch für die meisten übrigen Eltern ist es schon schwer, auch nur zwei Euro jeden Monat aufzubringen. Auch ihre Kinder dürfen die Schule natürlich weiter besuchen - Spenden und Patenschaften helfen der Schule zu überleben. Und die meisten Eltern sind trotz aller widrigen Umstände sehr engagiert und tun, was sie können, um zu dem, was jeweils notwendig ist, beizutragen.

Doch gerade der Erfolg der Zenzeleni-Schule führt immer wieder dazu, daß auch Kinder von der Schule genommen werden. Wie kommt das? Die meisten Familien der Townships, die es sich irgendwie leisten können, wollen ihre Kinder auf eine englischsprachige Mittelschule außerhalb der Township schicken. So verliert die Schule immer wieder jene Familien, die finanziell zum Unterhalt der Schule wesentliches beitragen könnten. Und weil der Englisch-Unterricht an der Zenzeleni-Schule gute Früchte trägt und gerade die höheren Klassen ein beeindruckendes Niveau erreichen, ist der Wechsel an eine der ersehnten "Medium Schools" ohne weiteres möglich... Noch immer glauben die meisten Einwohner der Townships, daß die Schulen "draußen" zwangsläufig "besser" sind, obwohl Zenzeleni täglich das Gegenteil beweist.

Eine große Herausforderung, vor der die Schule derzeit steht, ist der Bau eines weiteren Klassenraums. Was noch fehlt, ist allein das Geld...

3. Kinderpatenschaften

Das Problem der Armut ist in Afrika allgegenwärtig. Doch gerade die Waldorfschulen wollten nie Eliteschulen sein und wollen dies auch nicht werden. Vielmehr wollen sie allen Kindern offenstehen! Darüber hinaus sind es gerade Waldorfschulen, denen es wirklich gelingt, die von Nelson Mandela proklamierte "Regenbogengesellschaft" zu verwirklichen. An den Waldorfschulen in McGregor oder Khanyisa etwa lernen und spielen schwarze, farbige und weiße Kinder einträchtig und selbstverständlich miteinander. Nach wie vor ist dies in Südafrika nicht die Normalität - im Gegenteil!

Fast überall aber - ob in McGregor und Khanyisa oder in den nur von Schwarzen bewohnten Townships wie Khayelitsha - hängt vieles von der solidarischen Hilfe zahlreicher Menschen ab. Diese Hilfe ist ganz wesentlich dafür, daß der einmal begonnene Impuls weitergetragen werden kann, und vor allem daß Waldorfschulen die Kinder armer Familien aus ihrem Umfeld aufnehmen können.

"Bildungsgutscheine" sind eine Möglichkeit, sich besonders mit einem Kind zu verbinden und auf diese individuelle Art zugleich eine Waldorfschule im ganzen zu unterstützen. Die zwei folgenden Kinder stehen stellvertretend - gleichsam als Botschafter - für viele andere an vielen Schulen in Südafrika, die natürlich nicht alle vorgestellt werden können.

Juta und Wonke - zwei Kinder als Botschafter für viele andere

Juta ist ein 12-jähriger Junge, der nach der Scheidung seiner Eltern mit seiner Mutter in einer der Townships lebt. Zunächst besuchte er eine englisch-sprachige Mainstream-Schule, an der er überhaupt nicht zurechtkam, immer weiter zurückfiel und sich schließlich völlig verweigerte. Vor einem guten Jahr brachte seine Mutter ihn dann zur Khanyisa Waldorfschule. Dort blühte Juta bald wieder auf. Vor allem liebt er Musik und die künstlerischen Fächer und hilft oft, wenn ein Kind etwas nicht kann.

Wonke ist ein 11-jähriger Junge, der die Zenzeleni-Schule besucht. Auch er lebt mit seiner alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter. Unter dem Einfluß älterer Jugendlicher der Township drohte er eine Zeitlang in die Kriminalität abzugleiten. Doch inzwischen hat er sich sehr verändert und mehr und mehr Freude am Lernen - das für ihn trotz seiner Fortschritte nicht einfach ist.

Kinder wie Juta, Wonke und zahllose andere können ihre Schule nur besuchen, wenn sie und die Schule Unterstützung bekommen.

Beispiel "Khanyisa" - eine Waldorfschule für 'Außenseiter'

Die Khanyisa Waldorfschule ist eine kleine Schule für Schülerinnen und Schüler, die die großen Schulklassen Südafrikas, den Leistungsdruck und Schuldrill nicht aushalten. Um rund 35 solcher "Außenseiter", Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Störungen im Verhalten, mit Down Syndrom oder Autismus, kümmern sich fünf Lehrerinnen und Lehrer. Ihr Ziel ist es, daß jedes Kind all seine Möglichkeiten entdeckt und entwickelt, um ein erfülltes und kreatives Leben zu führen.

Die Khanyisa Schule wurde 1994 gegründet und bestand anfangs aus einem Lehrer und drei Kindern in einem Klassenraum in Wynberg (Kapstadt). Das Projekt wurde von einigen Eltern und Unterstützern engagiert getragen, und im Herbst 1997 konnte man in ein gemietetes Gebäude umziehen. Lange Zeit wurden nebeneinander Kinder mit permanenten Behinderungen und solche mit Lernschwie­rigkeiten, die später wieder an staatliche Schulen wechseln wollten, aufgenommen. Als den Lehrerinnen und Lehrern aber klar wurde, daß sei aufgrund der großen Unterschiede nicht auf alle Kinder eingehen konnten, stand Ende 1999 der Entschluß fest: Khanyisa sollte ganz zu einer Schule für Kinder werden, die an anderen Schulen nicht zurecht kämen. Seitdem hat insbesondere die älteste der drei Gruppen eher noch mehr Zulauf, was den großen Bedarf zeigt.

 

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